Jetzt geht's lo-os!
Einige Eindrücke zum Montagebeginn im Passauer Dom
alle Fotos auf dieser Seite: Martin Doering, www.die-orgelseite.de
Anfang Juni 2025 – das Wetter in Deutschland holt Luft vor der ersten Hitzewelle des Jahres, und wir sind zum ersten Mal froh über die üblichen Temperaturen im Passauer Dom. Der Aufbau der "neuen" Hauptorgel hat endlich begonnen. Tatsächlich sind die Arbeiten schwer zu kategorisieren. Ein Neubau im traditionellen Sinne ist es natürlich nicht – nicht nur wegen der historischen Gerhäusefront von Egedacher. Ein Großteil des Pfeifenwerkes geht auf die Steinmeyer-Orgel von 1928 zurück. Ein weiterer Teil stammt aus dem Eisenbarth-Instrument von 1980. Dennoch gehen die Maßnahmen über einen technischen Neubau weit hinaus. Nicht nur, dass ein weiterer großer Teil des Pfeifenwerkes ganz neu sein wird, auch das klangliche Konzept des Instrumentes wird sich vollständig verändern.
mit einem solchen Kran baut man sonst Hochhäuser
1980, auf dem Höhepunkt des eklektischen Orgelbaus, betrachtete man selbst das der Orgelreform verpflichtete Werk von 1928 als dekadentes Überbleibsel einer (endlich) vergangenen romantischen Epoche. Ziel war nicht ein eigenständiger Charakter für eine neue Orgel, sondern eine allumfassende Universalität. Um (fast) jeden Preis. Dieses Streben prägte alle größeren Orgelneubauten des späten 20. Jahrhunderts und galt als hehres Ideal.
die Montageplattform vor dem Hauptorgel-Prospekt
Heute, 45 Jahre später, hat sich der Blick auf die damalige Entwicklung doch deutlich verändert. Die Gewichtung von Individualcharakter einerseits und Universalität andererseits hat sich verschoben, ja nahezu ins Gegenteil verkehrt. Das auf der Elsässichen Orgelreform beruhende Konzept von 1928 bietet einen willkommenen roten Faden, an dem entlang man sich ein wenig geführt in den Dschungel des historischen Pfeifenmaterials begeben kann.
die historische Prospektfront von innen, frisch restauriert und statisch gesichert
Sicher wird das nun entsthenede Instrument keine Kopie der Steinmeyer-Orgel werden. Vielmehr soll es von diesem Instrument inspiriert eine größere Welt öffnen und dabei einen ausgeprägten eigenen Charakter entwickeln. Der orchestrale Aspekt, der den Orgelkonzepten der 1980er Jahre so völlig abging, wird einen prominenten Stellenwert erhalten. Nach seinem Amerika-Aufenthalt 1913 bis 1920 brachte Hans Steinmeyer zahlreiche neue Erfahrungen in das Familienunternehmen ein. Die Orgeln der 20er Jahre legen davon beredtes Zeugnis ab. Dies soll nun wieder sichtbar werden.
die erste Stahl-Ebene steht, noch sieht es nach viel Platz aus…
Beginnend auf dem neu verlegten Emporenboden werden wir uns hinter der historischen Prospektfront Etage für Etage nach oben vorarbeiten. Über 60 Windladen gilt es auf 5 Ebenen unterzubringen. Momentan das wohl größte Puzzle der Orgelwelt.
der Principalbass 32' von Steinmeyer 1928
und der Contraviolon 32' in unserer Werkstatt
