Übersicht

Eine neue (Klang-)Quelle für das Kurbad

Die neue Orgel der Dankeskirche in Bad Nauheim

_klais/bilder/fotos/Artikel/Nauheim/Nauheim01.jpg

 

Am Osterwochenende 2025 wurde unsere neue Orgel in der Evangelischen Dankeskirche in Bad Nauheim eingeweiht. Der Startschuss für das Projekt fiel im Mai 2017 mit dem Beschluss des Kirchenvorstandes zum Bau einer neuen Orgel mit 25 Registern. Doch eigentlich begann alles viel früher – und führte viel weiter.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Nauheim/Nauheim02.jpg

 

In der zweien Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Dorf Nauheim zum mondänen Kurort, nachdem man die heilende Wirkung der kohlensäurehaltigen Sole entdeckt hatte. Der Ort wuchs schnell und erhielt 1869 den Namenszusatz "Bad". In der Folge dieses Wachstums wurde die barocke Wilhelmskirche im alten Ortskern zu klein. Ab 1893 plante man einen Neubau am Kurpark. Die neugotische Hallenkirche wurde 1906 geweiht.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Nauheim/Nauheim03.jpg

 

Zeitgleich mit der neuen Kirche entstand eine Orgel der Werkstatt E. F. Walcker aus Ludwigsburg. Das Bild zeigt dieses Instrument nach einem Umbau im Jahr 1930 mit neuem Spieltisch, aber unverändertem Prospekt:

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Nauheim/Nauheim00.jpg

 

Die spätromantische Walcker-Orgel fiel 1964 den Exzessen der Orgelbewegung zum Opfer. Man behielt die ausladende Prospektkonsole und den wirklich sehr weiten Principalbass aus hartgewalztem Zink, fügte in den Unterbau einen mechanischen Spielschrank ein und ließ auch sonst wenig übrig von der Opulenz der Orgel von 1906. Das neue Werk krankte an allen typischen Schwächen der damaligen Orgelkultur.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Nauheim/Nauheim04.jpg

 

Ab den 90er Jahren gab es mehrere Versuche, dieser Defizite durch kleinere Maßnahmen Herr zu werden. Die umfangreichste dieser Maßnahmen war die Rekonstruktion des 1965 entfernten Fernwerkes. Doch den grundlegenden Problemen der Orgel von 1964/65 konnte damit nicht wirkungsvoll begegnet werden.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Nauheim/Nauheim05.jpg

 

Auf dieser Grundlage fiel oben genannter Entschluss zu einem Neubau unter Verwendung des Pfeifenwerkes von 1906 – trotz der tiefgreifenden Veränderungen von 1965. Dieser Entschluss wandelte sich im Laufe der folgenden Jahre zu einem Nukleus für eine weitreichende Entwicklung, an deren Endpunkt nun eine große Konzertorgel steht, die der Qualität der an der Dankeskirche gepflegten Kirchenmusik gerecht wird.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Nauheim/Nauheim06.jpg

 

Einige kleine Lücken gibt es noch – einige Register sind bisher nur in Spieltisch und Windladen vorbereitet. Aber die Vervollständigung ist schon in greifbare Nähe gerückt.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Nauheim/Nauheim08.jpg

 

Übernommen wurden wiederum die originale Prospektkonsole (das Loch für den Spielschrank von 1965 wurde mit Türfüllungen geschlossen), die Zinkpfeifen des gewaltigen Principalbasses, die jetzt aber den neuen Schwellkasten einrahmen, und der restaurierbare Teil des originalen Pfeifenwerkes.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Nauheim/Nauheim09.jpg

 

Der neue Spieltisch ist wieder in die ursprüngliche Position direkt an der Emporenbrüstung gerückt, heute aber mit Blickrichtung zur Orgel, damit der Organist auch den Chor im Blick haben kann.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Nauheim/Nauheim10.jpg

 

Auf dem historischen Untergehäuse stehen Positiv und darüber Hauptwerk, flankiert von Teilen des Pedals, im dahinterliegenden Bogen zum Turmraum das große Schwellwerk auf Sturz, begleitet vom großen Rest des Pedals. Das Fernwerk wohnt wie schon 1906 und seit 1999 in einer Kammer direkt über der Orgel und spricht durch einen gemauerten Schallkanal zur Heiliggeist-Öffnung im Zentrum des Vierungsgewölbes.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Nauheim/Nauheim11.jpg

 

Eine besondere Herausforderung war die Anlage der mechanischen Trakturen von der Spieltischposition an der Brüstung in das Untergehäuse über eine Stufenanlage unter dem Chorpodium, die wegen ihrer tragenden Funktion nicht verändert werden konnte. Da war das Verlegen von Bleirohren schon einfacher.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Nauheim/Nauheim12.jpg

 

Der neue Prospekt deckt zwar ungefähr dieselbe Fläche ab wie der Prospekt von 1906, wirkt aber wegen der stärkeren vertikalen Betonung und der schlankeren Mensuren der Prospektpfeifen deutlich leichter und graziler.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Nauheim/Nauheim13.jpg

 

Wir wünschen der Gemeinde viel Freude an und mit dem neuen Instrument! Gedankt sei allen, die ihren Teil zum Gelingen beigetragen haben, stellvertretend an dieser Stelle dem Organisten der Gemeinde, Frank Scheffler, und dem zuständigen Sachverständigen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Thomas Wilhelm. Allen Beteiligten ist es gelungen, aus teils sehr gegensätzlichen Ausgangspositionen das jeweils Beste mitzubringen und zu einer neuen Einheit zu fügen, die mehr ist als die Summe ihrer einzelnen Teile.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Nauheim/Nauheim14.jpg

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Nauheim/Nauheim06.jpg

 

zur Disposition…