Nürnberg, St. Lorenz
Die Restaurierung der großen Steinmeyer-Orgel aus dem Jahr 1937 in der St. Lorenzkirche zu Nürnberg
Philipp C. A. Klais
Eine dreiteilige Orgelanlage für die St. Lorenzkirche zu Nürnberg
Der Nürnberger Sandstein, mit dessen besonderen akustischen Eigenschaften die Werkstatt Johannes Klais Orgelbau bereits beim Neubau der Orgel in der Nürnberger Liebfrauenkirche in den achziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Erfahrungen sammeln konnte, verleiht dem großen Kirchenraum von St. Lorenz besondere akustische Eigenschaften.
Ein Blick in die bewegte Orgelgeschichte der St. Lorenzkirche zu Nürnberg belegt, dass schon sehr früh der Raum von unterschiedlichen Standorten aus mit Klang erfüllt wurde. Bekannt sind die beiden Schwalbennest-Langhaus-Orgeln (die „Gotische Orgel“ und die „Renaissance-Orgel“) in Verbindung mit einer Chororgel, über deren genauen Standort Erkenntnisse fehlen. Auch die große West-Orgel von Steinmeyer aus dem Jahr 1879 wurde zwanzig Jahre später durch eine Chororgel von Johannes Strebel, auf der Empore über der „Brauttüre“ an der Nordseite des Chores ergänzt.
Im Bewusstsein dieser Problematik, im Bewusstsein des Widerspruchs für den Besucher der Kirche zwischen der Faszination der Architektur mit ihren erhabenen Raumdimensionen auf der einen Seite und der „trockenen“ Sprechakustik auf der anderen Seite, entstand 1937 in enger Zusammenarbeit von Johannes Mehl und der Orgelbauwerkstatt Steinmeyer aus Öttingen eine Orgel-Klang-Raumkonzeption, ein dreiteiliges Orgelwerk. Neben der großen Hauptorgel im Westen, in die Bestandteile der Steinmeyer'schen Anlage von 1879 einflossen, wurden am historischen Schwalbennest-Standort an der nördlichen Langhauswand und darüber hinaus im Chorraum Orgelkörper zu einer großen Orgelanlage komponiert. Hierbei wurde darauf geachtet, dass jedem Orgelteil sowohl eine eigenständige Aufgabenstellung zuteil wurde, als auch eine Raum-Klang-Funktion in der Gesamtanlage.
Diese Gesamtanlage, bestehend aus drei Orgeln, ist die Grundidee und der Ausgangspunkt unseres Konzeptes: Hauptorgel im Westen, Schwalbennestorgel an der nördlichen Langhauswand und Chororgel im Chorraum.
Mit diesem Konzept schließt sich der Bogen der Mehl/Steinmeyer'schen Orgelanlage von 1937.
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Die Raumakustik im Chorraum
Konzeption der zeitlichen Abläufe
Restaurierungskonzept
Die Hauptorgel
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Fotos
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Die Raumakustik im Chorraum
Zu Beginn der Planungen hatten wir bereits den Eindruck gewonnen, dass sich die Akustik des Chorraumes von der Akustik des Hauptschiffes absetzt. Im Chorraum scheint mehr Nachhall vorhanden zu sein. Das größere Raumvolumen durch die höheren Seitenschiffe verleiht diesem Teil des Kirchenraumes, dem liturgischen Zentrum der Kirche, eine musikalische Akustik.
Im Rahmen der grundsätzlichen Überlegungen zur Orgel erschien es daher sinnvoll, diesen exponierten Teil der Kirche auch in die musikalische Grundkonzeption mit einzubeziehen. In der Mehl'schen Konzeption von 1937 war die Chororgel auf vier Einzelsegmente verteilt, im Chorumgang über dem Hochaltar angeordnet. Sicherlich war es vorstellbar, diese Konzeption 1:1 zu rekonstruieren, zumal wir ausreichend Anhaltspunkte über die Windladengröße sowie wie über die Disposition dieses Instrumentes hatten.
Alternativ hierzu hatten wir jedoch erfahren, dass die Kirchengemeinde St. Lorenz Besitzer der 1863 als Opus 34 von G. F. Steinmeyer erbauten Orgel der Evangelischen-Lutherischen Stadtpfarrkirche Hersbruck war, ein zweimanualiges Werk mit 24 Registern.
Um die Steinmeyer'sche Gesamtkonzeption von 1937 zu vervollständigen, hielten wir es für eine mögliche Vorgehensweise, das Orgelwerk aus Hersbruck in die Konzeption einer Chororgel einzubeziehen. Als möglicher Orgelstandort fiel uns die emporenähnliche Plattform über dem Sakristeihaus im Chorraum auf. Wir hatten Herrn Ank während unseres Aufenthaltes in Nürnberg gebeten, von diesem Standort aus zu singen. Das klangliche Ergebnis dieser Probe war ausgezeichnet. Nicht nur der Chorraum allein wurde mit Klang erfüllt, eine gute Hörbarkeit, eine gute Raumwirkung erfolgte bis in den mittleren, ja sogar hinteren Bereich des Hauptschiffes. Dieser Standort wurde bereits von Johannes G. Mehl einmal angedacht, jedoch wieder verworfen:
"Ebenso war auch der andere Vorschlag: Die Chororgel auf der Galerie über der II. Sakristei aufzustellen, aus akustischen Gründen undurchführbar. Zudem befindet sich der letztere Platz an der Südwand des Chores und unter (eine eventuelle Orgel dann sogar teilweise vor) einem großen Südfenster, so daß nach Analogie vieler anderer Orgelwerke mit Sicherheit während des größten Teils des Jahres eine Verstimmung der hier eventuell stehenden Register gegenüber den anderen Orgelteilen zu erwarten gewesen wäre, die ein Zusammenspiel der verschiedenen Orgelwerke unmöglich gemacht hätte".
Während Johannes G. Mehl davon ausging, die Orgel gehäuselos und frei aufzustellen, wollten wir – nicht zuletzt auch aus klimatischen Gründen – die Orgel in ein Orgelgehäuse stellen.
Realisierung der dreiteiligen Orgelanlage
Wie bereits erläutert, strebten wir mit unserem Konzept an, die Restaurierung der Hauptorgel und die Überarbeitung der Schwalbennestorgel (Laurentiusorgel) in Verbindung zu setzen mit dem Bau einer Chororgel.
Zur Abrundung des klanglichen Gesamtkonzeptes, in Anlehnung an die Konzeption von 1937, erschien uns diese Vorgehensweise unverzichtbar. Der Chorraum, seitens seiner Geschichte und Ausstattung sicherlich einer der wichtigsten Bereiche des Kirchenraumes, sollte nicht musikalisch ausgeklammert werden.
Eine dreiteilige Orgelanlage ist für den Kirchenraum und die Akustik in Nürnberg, St. Lorenz notwendig, um den gesamten Kirchenraum mit Klang zu füllen. Durch Hörproben konnten wir feststellen, dass infolge der Beschaffenheit des Sandsteines die Hauptorgel im Westen alleine nicht den Kirchenraum mit Klang zu füllen vermochte. Erst, wenn auch die Laurentiusorgel mit leisen Begleitregistern angekoppelt wurde, fühlte man sich ansatzweise von Klang umgeben.
Allein mit einem Anheben der Hauptorgel in Anlehnung an das Konzeption von 1937 hätte sich keine Raum-Klang-Konzeption für Nürnberg, St. Lorenz entwickeln lassen. Dies war nur mit einer mehrteiligen Orgelanlage möglich. Diese Tatsache wurde in den 30er Jahren von Mehl erkannt und führte zu dem Konzept von 1937.
Die raumakustischen Bedingungen dieses faszinierenden Kirchenraumes forderten eine mehrteilige, aufeinander abgestimmte Orgelanlage, ein Gesamtkonzept für den Raum.
Parallel hierzu erschien es uns weder sinnvoll noch finanziell möglich, die Umsetzung des Gesamtkonzeptes aller drei Instrumente gleichzeitig durchzuführen, weshalb wir die Arbeiten in drei Teilbereiche einteilten, die möglichst eng aufeinanderfolgend, hintereinander und aufeinander bezogen realisiert werden sollten. Dadurch konnte ermöglicht werden, den einzelnen Teilorgeln ihre spezielle Aufgabe zuzuweisen und doch in große Gesamtanlage zu verschmelzen.
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Konzeption der zeitlichen Abläufe
Von Anfang an war uns eine stimmige Konzeption der zeitlichen Abläufe sehr wichtig. Vor Beginn der Realisierung der Gesamtkonzeption musste als wichtige Grundlage die originale Stimmtonhöhe in Abhängigkeit vom originalen Pfeifenwerk und Winddruck ermittelt werden, wobei die musikalischen Anforderungen an das Instrument hierbei mit dem Schutz der historische Substanz zurückstehen in Einklang zu bringen waren.
An den Anfang der von uns erarbeiteten Raum-Klang-Konzeption haben wir im Jahr 2003 die Restaurierung der Hersbrucker Steinmeyer-Orgel aus dem Jahre 1863 gestellt, die als mechanische Chororgel in St. Lorenz wieder aufgebaut wurde.
Diese Orgel verfügt über einen freistehenden, in den Chorraum gerichteten mechanischen Spieltisch, der die mechanischen Kegelladen ansteuert. Darüber hinaus wurden elektro-pneumatische Servomechanismen ohne Aufgabe vorhandener historischer Substanz in das Orgelwerk integriert, die es erlauben, die Chororgel auch vom zentralen Spieltisch aus elektrisch anzusteuern und so die Anbindung an die Raum-Klang-Konzeption der dreiteiligen Orgelanlage ermöglichen.
Im Anschluss hieran erfolgte erfolgte die Restaurierung der Steinmeyer-Hauptorgel im Jahre 2003. Durch intensive Einsichtnahme von Vergleichsorgeln konnte wir zahlreiche Erkenntnisse über den Zustand des Instrumentes zur Erbauungszeit 1937gewinnen, die noch anhand von Spuren in der Nürnberger Orgel deutlich ablesbar waren. Auch trug die Restaurierung der Steinmeyer-Orgel (Marienorgel) in Ottobeuren zum besseren Verständnis der Steinmeyerschen Ideenwelt vor und nach dem II. Weltkrieg bei.
Mit der Reorganisation der Laurentiusorgel wurde 2005 das Raum-Klang-Konzept vervollständigt und abgeschlossen. Die Bedeutung der Laurentiusorgel für das Gesamtkonzept wird deutlich in einem Zitat von Johannes G. Mehl (Das neue Orgelwerk von St. Lorenz) aus dem "Lorenzer Orgelbüchlein" von 1937:
"Die Alten waren, wie Ihre Bauwerke beweisen, unerreichte Meister auf dem Gebiet der Akustik. Und die alten Dombaumeister wußten sehr wohl, warum sie die erste monumentale gotische Orgel von St. Lorenz und ihre Nachfolgerin gerade hier zur Aufstellung brachten. Denn an diesem Ort steht die Orgel im akustischen Mittelpunkt des großen Domes. Die Wirkung der von der Gotik mit Vorliebe an der Hochwand des Langhauses auf einem hölzernen sog. "Schwalbennest" angebrachten Orgelwerke ist hinsichtlich ihres Klangcharakters, ihrer Tonfülle und ihrer geradezu bestrickenden Tonschönheit einzig. Der Klang der Pfeifen erzeugt hier besondere Reflexe und Resonanzen, und die der Orgel unmittelbar gegenüber liegende Langhauswand bildet zusammen mit dem nahen Gewölbe einen einzigartigen Reflektor, welcher den Klang nicht nur besonders erfüllt und verstärkt, sondern ihn auch in ungewöhnlicher Weise charakterisiert und veredelt und ihm die Eigenschaft verleiht, in allen Teilen des gesamten großen Raumes besonders rasch, sowie mit größter Gleichmäßigkeit gehört zu werden. Auch wenn ein anderer, an sich brauchbarer Platz für das Hauptwerk der Chororgel in der Kirche vorhanden gewesen wäre, hätte es einen groben, unverzeihlichen Fehler bedeutet, hier den Boden der Tradition zu verlassen, wie das die Neugotik (merkwürdigerweise) getan hat, und nicht wenigstens einen Teil der neuen Gesamtorgel an diesem akustisch so wunderbaren Platz zur Aufstellung zu bringen".
Der Einschätzung von Mehl gibt es wenig hinzuzufügen. Bestätigt wird diese Einschätzung der akustischen Vorzüge mittelalterlicher Orgelstandorte durch neugebaute Schwalbennestorgeln der letzten Jahre. Unsere Werkstatt konnte unter anderem in den Domkirchen zu Trier, Worms und Köln sowie in der Abteikirche Maria Laach solche Instrumente erstellen. Die akustische Wirkung ist faszinierend.
Infolge ihres akustisch günstigsten Standortes steht dieses Instrument im Mittelpunkt des Raumes. Bereits vor den Restaurierungsarbeiten gewann der Klang der Hauptorgel, wenn er von einem leisen Register der Laurentiusorgel untermalt wurde, an Fülle und Erhabenheit, an klanglicher Präsenz. Sobald die Laurentiusorgel mitgespielt wurde bzw. wird, fühlt man sich von Klang umgeben.
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Die Pfeifensubstanz der Hauptorgel
Eine weitere Frage, die uns zur Realisierung der Gesamtkonzeption beschäftigte, war, ob die Mensuren insbesondere der Steinmeyer-Hauptorgel aus unserer heutigen Sicht für einen raumfüllenden Klang ausreichend sind. Wir konnten durchgängig feststellen, dass dies bei den verwendeten Mensuren der Hauptorgel der Fall war.
Vielmehr erschien jedoch ein Widerspruch zwischen den verwendeten Mensuren und der Klanglichkeit der Pfeifen im Kirchenraum zu bestehen. Die nach dem Krieg erniedrigten Aufschnitte reduzieren das Klangvolumen der einzelnen Pfeifen und führten so zu einem unbefriedigenden Gesamteindruck.
Restaurierungskonzept
Der größte Teil der Orgelsubstanz der großen Steinmeyer-Westorgel geht auf das Jahr 1937 zurück. Dies gilt sowohl für das Pfeifenwerk als auch für die Windladen. Die ältesten Windladenteile stammen aus der Steinmeyer-Orgel von 1879. Sie wurden 1937 beim Neubau der Orgel übernommen.
Der Wiederaufbau der Orgel in den Jahren 1950 bis 1952 nach den Kriegsschäden mit veränderter Prospektfront sowie die Überarbeitung der Orgel 1990 bis 1992 führten zu Veränderungen der Orgelsubstanz.
Wie galt es nun, mit dieser gewachsenen Situation umzugehen? Als Konzept für die Orgelrestaurierung dieser komplexen Orgelanlage haben wir im technischen Bereich den gewachsenen Zustand respektiert und beibehalten. Eine Rückführung der Orgelanlage auf das Jahr 1937 hätte zwangsläufig eine Aufgabe der Prospektkonzeption von 1950 bis 1952 zur Folge gehabt. Bereits Geschichte gewordene Substanz hätte zugunsten neuer bzw. rekonstruierter Komponenten aufgegeben werden müssen. Eine solche Maßnahme erschien uns aus heutiger Sicht nicht sinnvoll. Aus diesem Grunde wurde der Werkaufbau der Orgel weitgehend unverändert belassen. Hierfür sprach auch, dass die einzelnen Orgelkomponenten auf den unterschiedlichen Ebenen gut zu erreichen und alle Windladen von ausreichend zugänglichen Stimmgängen umgeben waren.
Lediglich im Bereich der Stimmgangsicherung waren zusätzliche Maßnahmen erforderlich; die auf den oberen Ebenen angeordneten Laufböden wurden mit Geländern versehen. Hierdurch wurde für den stimmenden Orgelbauer eine Sicherheit erreicht, ohne das äußere Bild der Orgel zu stören.
Klanglich hingegen erschien es uns notwendig, das Instrument in seiner Gesamtheit auf ein einheitliches Klangbild hinzuführen. Dieses Klangbild orientiert sich am Klangideal von 1937, der Erbauungszeit des Pfeifenwerkes. Die Pfeifen haben seit 1937 starke Veränderungen ihrer Intonation erfahren, 1950 bis 1952 wurden wesentliche Intonationsparameter stark verändert und eine veränderte Klanglichkeit des Instrumentes angestrebt. So wurden beispielsweise an den Gedackten die Aufschnitte erniedrigt, welches zu einem völlig veränderten Klangbild führte. Wir sind der Meinung, dass infolge dieser Veränderungen das Instrument in klanglicher Hinsicht vieles von seiner Persönlichkeit verloren hatte.
Hier erschien uns eine Rückführung des Instrumentes auf die Intonation von 1937 unverzichtbar. Alle Intonationsparameter der Spätromantik (Kernstiche, weite Kernspalten, ausreichende Windversorgung am Fuß sowie relativ hohe Winddrücke) sollten soweit wie möglich und ablesbar zurückgeführt werden. Anhaltspunkt hierfür war das vorhandene Pfeifenwerk selbst, welches die Leitlinie der Restaurierung vorgab.
Im Rahmen der vollständigen Restaurierung und Neuintonation des Werkes sollte erreicht werden, für den Kirchenraum einen Orgelklang zu erhalten, der sich an dem von Mehl im "Lorenzer Orgelbüchlein" definierten klanglichen Aufbau der einzelnen Werke orientiert:
Brustwerk (B.W.):
Durchsichtig, breit, prächtig; mixturenbeherrschter Rohrwerksklang.
Hauptwerk (H.W.):
Monumental; schwerer Principalklang; deutscher Trompetenchor.
Schwellwerk (Sch.W.):
Groß; schwerer Gedacktklang; Solostimmen für Echowirkung; Bombardenchor.
Oberwerk (O.W.):
Scharf, strahlend; dezente Principale; hoher Aliquoten- und Regalchorklang.
Pedal (P.):
Monumental; schwerer Principal und Zungenklang, ergänzt durch dezente Begleit- und Solostimmen; das reichste Werk der Orgel durchgebaut vom 64' bis zum ¼'
Im Anschluß an die Beschreibung des klanglichen Aufbaus der Hauptorgel charakterisiert Mehl auch den klanglichen Charakter der Laurentiusorgel sowie der Chorogel. Auch diese Charakterisierungen haben wir als Leitlinien für die Konzeption für Laurentiusorgel und Chororgel in unser Konzept einbezogen:
Laurentiusorgel (L.O.):
Breiter, ruhiger, gelöster Principalklang; silbern; gesättigtes Plenum aus einem Guß.
Chororgel (Ch.O.):
Licht, funkelnd, geschmeidig; mit ausgesprochen "süßen" Stimmen".
Im Rahmen der Restaurierung der großen Steinmeyer-Westorgel erschien uns ein Anstreben der von Mehl beschriebenen Klanglichkeit sinnvoll. Leitlinie hierfür stellte das Pfeifenwerk dar, bei dem in einer Rückführung der intonatorischen Eingriffe späterer Jahre das originale Klangideal weitgehend wieder hergestellt wurde.
Unser Restaurierungskonzept sah vor, die gesamte Orgel grundsätzlich in einen Zustand klanglicher Geschlossenheit und technischer Zuverlässigkeit zu versetzen, der für viele Jahrzehnte Bestand hat.
Die Komplexität der Orgelanlage ließ es nicht sinnvoll erscheinen, das gesamte Instrument in Nürnberg abzubauen und in unsere Werkstatt nach Bonn zu verbringen. Ein Großteil der Restaurierungsarbeiten musste daher zum Schutz der historischen Substanz in Nürnberg vor Ort ausgeführt werden.
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Die Hauptorgel
Einsichtnahme von Vergleichsinstrumenten
Zur Wiederherstellung der klanglichen Konzeption des Klangbildes von 1937 wurden Studienreisen zu Vergleichsinstrumenten vorgenommen insbesondere das Pfeifenwerk intensiv untersucht.
Anfertigung einer Dokumentation und eines Restaurierungsberichtes
Die gesamte Restaurierung wurde von Anfang an mit Bestandsplänen und Fotos dokumentiert und in einer Beschreibung der durchgeführten Maßnahmen zu einem Bericht zusammengefasst.
Fertigung und Aufbau eines neuen Spieltisches
Der vorhandene Spieltisch aus den 50er Jahren hatte infolge eines Setzereinbaus grundlegende Veränderungen erfahren. Darüber hinaus war es aus räumlichen Gründen nicht möglich, die vorhandenen Leuchtdruckschalter durch elektromagnetisch bewegte Registerwippen zu ersetzen.
In Anlehnung an Steinmeyer-Spieltische aus den 30er Jahren, jedoch unter Verzicht auf freie Kombinationen, wurde ein neuer Spieltisch gebaut, der im Innern mit moderner Technik ausgestattet ist: Die Kontaktgebung erfolgt über kontaktlose Schalter, sogenannten Lichtschrankenkontakte. Die Koppeln werden über eine moderne Koppelanlage angesteuert.
Die Betriebsspannung dieses Spieltisches wurde im Hinblick auf den gängigen Standard auf 24 Volt gesetzt.
Auf diese Weise wurde es möglich, einen zusätzlichen elektrischen Zentralspieltisch in die Gesamtkonzeption zu integrieren. Beide Spieltische laufen synchron und greifen gleichzeitig auf eine Setzeranlage mit mehr als 5000 Kombinationen zu. Diese Setzeranlage schaltet die Registerwippen. Hinter den Registerwippen befinden sich Magnetsteuerungen. Diese Schaltung macht es möglich, dass der Organist ohne zusätzlichen Anzeigen die über die Setzeranlage eingeschalteten Register ablesen kann.
Im Rahmen des Wiederaufbaus der Steinmeyer-Orgel 1950 bis 1952 wurde in wenigen Bereichen auf die ehemals vorhandenen Sub- und Superkoppeln verzichtet.
Klangversuche haben uns jedoch gezeigt, wie wichtig diese Koppeln für den Orgelklang im Raum der St. Lorenzkirche sind. Aus diesem Grunde wurden für die Teilwerke Brustwerk, Schwellwerk und Oberwerk Sub- und Superkoppeln vorgesehen.
Elektrik
Die Reisner-Magnete an den Windladen wurden beibehalten, die gesamte Verkabelung der Orgel jedoch erneuert, weil die bestehende Verkabelung nicht den heutigen Sicherheitsstandards entsprach. Darüber hinaus war infolge der Umbauten 1950 bis 1952 die innere Logik der Kabelführung und die klare Struktur der Sicherungsleisten in Durcheinander geraten. Hier sollte eine grundlegende Neuverkabelung ein störfreies Funktionieren der Anlage auf lange Sicht garantieren können.
Das vorhandene System wurde mit 12 Volt betrieben. Durch das Vorschalten von Widerständen vor den einzelnen Magneten konnte die Anlage auf 24 Volt umgestellt werden, ohne die originalen Reisner-Magnete aufgeben zu müssen.
Windladen
Zwischen 1990 und 1992 sowie in den darauffolgenden Jahren wurden die Witzig'schen Taschen aller Manual- und Pedalwindladen ausgetauscht. Nicht grundsätzlich ausgetauscht wurden jedoch diese Taschen der Zusatzapparate sowie des Prospektes. Ebenfalls nicht ausgetauscht wurden alle Registersteuerbälgchen.
Ferner hatten wir festgestellt, dass in die Oberwerkswindlade Wasser eingedrungen war. Der Schaden war aber bereits behoben und die betroffenen Taschen des Oberwerkes erneuert worden.
Um eine hohe Zuverlässigkeit der Orgel garantieren zu können, erschien es uns wichtig, sämtliche Taschen, die noch nicht erneuert waren, auszutauschen und grundsätzlich alle Relaisbälgchen zu erneuern bzw. neu zu beledern.
Die Reisner-Magnete haben wir – wie bereits erwähnt – beibehalten; sie waren durchgängig in sehr gutem Zustand, so daß sie nur überprüft und vorsichtig gereinigt werden mussten.
Windversorgung
Die Windversorgung der Orgel erfolgt über große Doppelfalten- und Einfaltenmagazinbälge, die weitgehend neu beledert wurden.
Restaurierung des Pfeifenwerks
Leitlinie des Restaurierungskonzeptes war die Substanzerhaltung des gewachsenen historischen Zustandes, unter einer Rückführung auf das Klangideal von 1937.
Viele der Pfeifen haben schwere Eingriffe und Veränderungen der Intonationsparameter – wie das bereits erwähnte Erniedrigen der Aufschnitte – erdulden müssen. Diese Änderungen wurde soweit wie möglich zurückgeführt. Die vielen, in der Vergangenheit provisorisch angebrachten Reparaturen am Pfeifenwerk wurden durch handwerklich und orgelbautechnisch saubere Maßnahmen ersetzt.
Die oftmals sehr tief eingeschnittenen Stimmschlitze wurden auf die originale Höhe zurückgeführt und mit filigranen Lötnähten zugelötet. Hierfür war es notwendig, das gesamte Pfeifenwerk der 8'-Pfeifen und kleineren Pfeifen in unsere Werkstatt nach Bonn zu verbringen und hier sorgfältig zu überarbeiten; 16'- und 32'-Pfeifen wurden allerdings weitgehend vor Ort restauriert.
Die Mixturen wurden auf den Zustand von 1937 zurückgeführt, die 1990/92 erneuerten Zungen bzw. Zungenbecher wurden rekonstruiert.
Rückführung der Intonation und Wiederherstellung des Klangideals von 1937
Die Rückführung der Intonation im Sinne einer Wiederherstellung des Klangideals von 1937 stellte sicherlich den Schwerpunkt unserer Restaurierung dar, wie dies bereits in der Vorstellung unseres Restaurierungskonzepts erläutert wurde
Das Instrument musste in seiner Gesamtheit wieder auf ein einheitliches Klangbild hingeführt werden, welches sich am Klangideal von 1937 orientierte.
Die Pfeifen haben seit 1937 starke Veränderungen ihrer Intonation erfahren. Wie bereits erwähnt, wurden 1950 bis 1952 wesentliche Intonationsparameter stark verändert und so eine veränderte Klanglichkeit des Instrumentes angestrebt, die es vorsichtig und einfühlsam zurückzuführen galt.
Die endgültige Stimmtonhöhe wurde durch das Pfeifenwerk definiert und auf 441,5 Hz bei 18°C festgelegt. Der Winddruck wurde, den Vorgaben des Pfeifenwerks entsprechend, geringfügig erhöht.
Sicherungsmaßnahmen an den Stimmgängen
Die auf den oberen Ebenen angeordneten Laufböden des Oberwerks und des Pedals erhielten zur Sicherheit Geländer.
Alle freiliegenden Laufbodenkanten erhielten darüber hinaus zur besseren Sicherheit umlaufende Begrenzungsleisten, die den Orgelbauer bzw. Organisten das Ende der Stimmgänge ertasten lassen, auch wenn er während der Arbeit nicht hinsehen kann.
Zweiter elektrischer Zentral-Spieltisch
Es wurde ein zusätzlicher fünfmanualiger Spieltisch nach Steinmeyer'schem Vorbild gefertigt, von dem aus die Hauptorgel auf der Westempore, die Laurentius-Schwalbennestorgel und die Chororgel angesteuert werden können, wo also sämtliche Werke und Register aller drei Orgeln integriert sind.
Der Spieltisch wurde einschließlich Pedalklaviatur und Orgelbank auf einem Podest fahrbar eingerichtet. Mittels Steckverbindungen ist die Aufstellung des Zentral-Spieltisches an verschiedenen Stellen im Kirchenschiff möglich.
Die Ansteuerung des fahrbaren elektrischen Spieltisches und die Verbindung der Orgeln untereinander erfolgt über Lichtleiterkabel. Der große Vorteil einer solchen Technik ist es, daß die elektrischen Signale über ein Transceiver-Modul durch eine einzige Leitung sehr dünnen Querschnittes gelenkt werden können. Im fahrbaren Spieltisch findet sich ein zweites Gegenstück zum Transceiver-Modul, welches diese Signale wiederum in elektrische Signale umwandelt.
Zusätzliches Hochdruckwerk
Als Ergänzung der Steinmeyer'schen Hauptorgel und in Anlehnung an die Steinmeyer'sche Konzeption im Dom zu Trondheim/Norwegen wurde die Hauptorgel um ein Hochdruckwerk ergänzt. Dieses Hochdruckwerk fand hinter der Brustwerkwindlade Aufstellung. Die beiden Windladen des Brustwerks wurden dichter an den Principal 4' Prospekt geschoben. Auf diese Weise stand hier unmittelbar unter der Westrosette ausreichend Raum für eine Hochdrucklade zur Verfügung.
Der Winddruck des Hochdruckwerks wurde auf 280 mm WS festgelegt. Die Windversorgung erfolgt über ein zusätzliches Hochdruckgebläse mit zusätzlichem Magazinbalg.
Während die Tuba magna 16‘ und die Tuba mirabilis 8‘ die dunklen Klangfarben verkörpern, sind Fanfare 8‘ und Klarine 4‘ schmetternd und heller angelegt. Principal 8‘, Stentorgambe 8‘ und die doppelt labierte Konzertflöte 8' decken den labialen Hochdruckbereich ab.
Die Mensurierung und Bauweise der Pfeifen wurde in Anlehnung an Steinmeyer'sche Vorbilder (Trondheim, Dom/Norwegen) durchgeführt.
Infolge der Aufstellung und Bauweise ("hooded-Bauweise = nach vorne gekröpfte Becher für Zungenstimmen) ist dieses Teilwerk aus dem Kirchenraum heraus optisch nicht wahrnehmbar. Aus denkmalpflegerischer Sicht stellt dieses Zusatzwerk einen reversiblen Eingriff in das Orgelwerk dar, wodurch keine vorhandene Substanz verändert oder aufgegeben werden musste.
Zusammenarbeit mit Orgelbaumeister Benedikt Friedrich
Herr Orgelbaumeister Benedikt Friedrich aus Oberasbach ist einer der detailliertesten Kenner der Nürnberger St. Lorenzorgel. Er wartete und pflegte das Instrument seit vielen Jahren und war auch an den Arbeiten im Jahre 1990 bis 1992 beteiligt.
Aus diesem Grunde haben wir bei der Restaurierung der Orgel mit Herrn Orgelbaumeister Friedrich und seiner Werkstatt kooperiert.
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Die Laurentiusorgel
Die Bedeutung der Laurentiusorgel innerhalb der dreiteiligen Orgelanlage darf – wie bereits erwähnt – nicht unterschätzt werden. Sie hat infolge ihrer Position als Schwalbennestorgel an der nördlichen Langhauswand die Funktion des Bindegliedes zwischen Hauptorgel im Westen und Chororgel im Osten.
Infolge der Kriegszerstörung war die ehemalige Laurentiusorgel von 1937 fast vollständig zerstört.
Die bisherige Laurentiusorgel wurde 1962 durch die Werkstatt Steinmeyer erbaut und in den Jahren 1974 und 1985 auf 40 Register erweitert. Bezüglich der Beschreibung der Orgelkonzeption möchten wir das Gutachten von Dr. Jürgen Eppelsheim vom 6. September 1972 zitieren:
"Die 1962 ganz neu erbaute Laurentiusorgel, ungefähr an gleicher Stelle wie ihre Vorgängerin, jedoch zweimanualig, höher angeordnet und, bei geringerer Breitenausdehnung, in drei Etagen übereinander gestaffelt (Pedal-Hauptwerk-Positiv, letzteres in die Gewölbezone reichend), ist weniger auf Kraftentfaltung als auf differenzierte Farbigkeit angelegt".
Im Laufe ihrer bewegten Geschichte seit dem Jahr 1961 war die Laurentiusorgel auf eine stattliche Größe von 40 Registern angewachsen. Das Orgelgehäuse war aber keineswegs für diese Registerzahl konzipiert. Im Innern der Orgel hatten sich hieraus zahlreiche Schwierigkeiten und Kompromisse ergeben. Diese führten zu einer nahezu unmöglichen Wartung, Pflege und Stimmung der Laurentiusorgel.
Die Erweiterungen der Orgel gingen auf eine Unzufriedenheit mit dem Instrument seit seiner Erbauung zurück. 1961 hatte man sich ganz bewußt gegen eine Rekonstruktion der Raum-Klang-Konzeption von 1937 zugunsten eines eher kammermusikalisch ausgerichteten, von der Hauptorgel losgelösten Instrumentes entschieden. Die Nachbesserungen, die dann in den folgenden Jahrzehnten erfolgten, konnten jedoch nicht zu einem ausreichenden Erfolg führen.
Aus unserer Sicht war es daher unvermeidlich, die Laurentiusorgel einer grundlegenden Neuorganisation zu unterziehen, was einen technischen Neubau mit neuem Pfeifenwerk bedeutete.
Versuche, die wir mit dem Pfeifenwerk der vorhandenen Laurentiusorgel vorgenommen hatten, ergaben, dass infolge der Ausrichtung des Instrumentes dünne Wandstärken für die Pfeifen gewählt wurden. Versuchte man nun, diese Pfeifen mit höherem Winddruck kräftiger zu intonieren, so stieß man sehr schnell an Grenzen. Es war also unmöglich, die Kernspaltenintonation durch Neuintonation mit erweiterten Intonationsparametern (höhere Winddrücke, höhere Aufschnitte, weitere Kernspalten, Kernstiche etc.) umzuintonieren.
Im Hinblick auf eine Restaurierung des unserer Meinung nach bedeutenden historischen Pfeifen- und Windladenbestandes der Hauptorgel, musste eine Wiederaufnahme der Mehl'schen Raum-Klang-Konzeption von 1937 angestrebt werden. Diesem Anspruch konnte die vorhandene Laurentiusorgel nicht gerecht werden.
Für eine Reorganisation der Laurentiusorgel gab es verschiedene Lösungswege. Im Hinblick auf ausreichend Platz auf den Windladen und einer der Raum-Klang-Konzeption entsprechende Mensurierung wollten wir jedoch die chromatische Pfeifenstellung auf Windladen und im Prospekt aufgeben. Beibehalten werden sollte aber die Grundkonzeption des Tragwerks der vorhandenen Orgel sowie die Seitenwände der vorhandenen Orgelkonstruktion im oberen Bereich. Die neue Konzeption baut somit seitens ihrer vertikalen Proportionen und seitens der Wiederverwendung des Tragwerkes auf die Grundstrukturen der vorhandenen Laurentiusorgel auf.
Im Sinne der Mehl'schen Raum-Klang-Konzeption wollten wir ein einmanualiges Instrument mit Pedal konzipieren. 1937 hat man hierfür den Weg beschritten, die Orgel weniger vertikal als vielmehr horizontal auszurichten. Infolge der 1961 angelegten Tragwerks- und Gehäusekonzeption, aber auch im Hinblick auf die historische Schwalbennestorgel an diesem Standort, sollte die vertikale Ausrichtung des Instrumentes beibehalten werden, was dazu führte, dass das Pfeifenwerk des einen Manuals auf drei Windladen, die vertikal übereinander gestaffelt sind, angeordnet werden musste: Obermanual, Hauptmanual/Pedal und Untermanual.
Das Pfeifenwerk des Pedals findet auf Ebene des Hauptmanuals auf durchschobener Windlade Aufstellung. Die großen, offenen Pedalpfeifen des Principal 16' sind in den Prospekt abgeführt.
Diese oben angeführte Aufteilung des Hauptmanuals auf drei Windladen (notwendig wegen der Beibehaltung der vertikalen Grundstruktur des Instrumentes) machte es möglich, das Instrument neben der im Vordergrund stehenden Funktion als Bindeglied in der Raum-Klang-Konzeption zwischen Hauptorgel und Chororgel auch als solistisch einsetzbares dreimanualiges, mechanisches Werk aufzufassen.
Im Hinblick auf diese Möglichkeiten ist das Instrument neben der Ansteuerung vom Hauptspieltisch der Westorgel sowie dem zentralen, fahrbaren Spieltisch auf Fußbodenniveau auch mechanisch über einen eigenen Spieltisch zu spielen, der sich unmittelbar im Unterbau des Instrumentes befindet und über die originalen Schwalbennestzugänge (die bisher auch zum Erreichen des Orgelinneren der vorhandenen Laurentiusorgel dienten) zu erreichen.
Wichtig war es uns, im Hinblick auf die Raum-Klang-Konzeption der Orgel insbesondere im 8'-Bereich die bereits in der Orgelkonzeption von 1937 vorhandene Schattierungspalette aufzugreifen. Mit Principal 8', Salicional 8', Viola 8', Rohrflöte 8', Bordun 8' und Gedackt 8' stehen hier Stimmen aus jeder Registerfamilie (Prinzipal, zwei unterschiedliche Streicher, halboffene und gedeckte Pfeifen sowie eine Flötenstimme) von Pianissimo bis Forte zur Verfügung.
Wie bereits beschrieben, gewinnt die Hauptorgel, wenn sie durch ein gedecktes 8'-Register der Laurentiusorgel ergänzt wird, deutlich an Klang im Raum. Bei der von uns ausgearbeiteten Konzeption kann hier mit Rohrflöte 8', Bordun 8' und Gedackt 8' stets die richtige Farbnuance gefunden werden. Auch im 4'-Bereich stehen mit Octave 4', Praestant 4', Spitzflöte 4' und Rohrflöte 4' grundlegende Klangfarben zur Verfügung.
Mensurierung und Intonation der Laurentiusorgel orientieren sich an der Ausrichtung des Instrumentes als Teil einer mehrteiligen Orgelkonzeption im Hinblick auf eine Realisierung der Mehl'schen Raum-Klang-Konzeption. Der Laurentiusorgel kommt in dieser Konzeption eine Schlüsselposition zu.
Gleichzeitig ist das Instrument aber auch in sich geschlossen konzipiert und intoniert, um auch solistische Aufgaben übernehmen zu können. Wir sehen hierin keineswegs einen Widerspruch. Mehl hat diese Aufgabe der Einzelinstrumente immer wieder im "Lorenzer Orgelbüchlein" deutlich zum Ausdruck gebracht.
Für die Reorganisation der Laurentiusorgel wurden mechanische Schleifwindladen aus Eichenholz gewählt. Während die Tonventile sowohl mechanisch als auch elektrisch angesteuert werden können, ist die Registertraktur rein elektrisch realisiert.
Es stand ausser Frage, daß sich die Stimmtonhöhe der Laurentiusorgel an der Hauptorgel orientieren muß.
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Die Stephanusorgel
Bei der als Chororgel in das umfassende Raum-Klang-Konzept eingefügte Instrument handelt es sich um eine mechanische Kegelladenorgel der Werkstatt Steinmeyer, Opus-Nr. 34 aus dem Jahre 1863, die vormals in Hersbruck im Dienste stand. Nicht vorhanden war das Gehäuse der Orgel. Die Hersbrucker Orgel war in einem Gehäuse aus dem Jahre 1738 eingebaut worden.
Das Instrument fand Aufstellung auf der Empore über dem Sakristeibau. Klangversuche von diesem Standort aus (mit menschlicher Stimme) hatten uns von der Qualität dieses Orgelstandortes überzeugt. Es blieb nur im Detail mit der Denkmalpflege zu prüfen, ob es sich hierbei um einen gangbaren Weg handelt.
Neben dem mechanischen Spieltisch wurde die Orgel mit zusätzlich eingebauten , reversibel angebrachten elektropneumatischen Servomechansimen versehen. Somit kann sie als Teilstück der Raum-Klang-Konzeption vom zentralen Hauptspieltisch aus elektrisch angesteuert werden.
Das Instrument aus dem Jahr 1863 hatte vor seiner Wiederbelebung als Stephanusorgel in Nürnberg St. Lorenz wahrlich eine Odysee erlebt: Dank der Weitsicht von Prof. Jürgen Eppelsheim hatte dieser in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts das aus der Mode gekommene Instrument Herrn Dr. Mohr ans Herz gelegt. In Hersbruck hatte man zu diesem Zeitpunkt die Entscheidung getroffen, die romantische Orgel durch einen Neubau hinter dem historischen Gehäuse zu ersetzen. Dr. Mohr gelang es, das unmöglich erscheinende möglich zu machen und das Orgelwerk in Hersbruck abzubauen und dann in Nürnberg über mehr als drei Jahrzehnte an unterschiedlichen Stellen mit zeitweiligen Ortswechseln einzulagern. Es ist dem grossen Einsatz von Herrn Dr. Mohr und dem Verein für Kirchenmusik an St. Lorenz zu verdanken, dass diese historische Orgel für St. Lorenz in unsere Zeit gerettet wurde.
Es ist leicht nachvollziehbar, dass ein solch langer Aufenthalt an diversen Lagerstätten in Einzelteile zerlegt nicht spurlos an dem Orgelwerk vorübergegangen ist, zumal nicht nur der Zahn der Zeit, sondern in erheblichem Umfang auch der Wurm und andere Holzschädlinge an der Königin der Instrumente genagt hatten.
Wie bei einem überdimensionalen Puzzle galt es zunächst, alle Einzelteile zu sichten, sorgfältig zu dokumentieren, zu reinigen und zu sortieren. Erhalten waren der Balg, die fünf Windladen (Pedallade, Hauptwerk Ober- und Unterlade sowie Nebenwerk Ober- und Unterlade, die Wellenrahmen, einzelne Winkelbalkenm einzelne Metallwinkel aus Messing sowie der Spieltisch des Instrumentes. Ergänzt wurden das Gebläse, die Holzabstrakten ( = mechanische Holzverbindung zwischen Taste und Ventil), die Prospektpfeifen und das Orgelgehäuse. Letzteres wurde von Architekt Georg Stolz in Zusammenarbeit mit der Werkstatt Klais abgestimmt auf den historischen Orgelbestand und den Orgelstandort entworfen und in Zusammenarbeit mit baubetreunenden Architektin Alexandra Fritsch auf dem verstärkten Tragwerk des Sakristeidaches im Chorraum von St. Lorenz plaziert.
Grosse Schwierigkeiten bereiteten bei der Restaurierung der stark verwurmte Zustand der Holzpfeifen. Hier galt es, ohne Aufgabe von historischer Substanz die vorhandene Holzteile so zu stabilisieren, dass sie auch zukünftigen Generationen als Klang- und technisches Denkmal einschliesslich aller ablesbaren Spuren erhalten bleiben.
Ganz bewuss entschied man sich zu einer reversibel integrierten barker-ähnlichen Servoansteuerung des historischen Instrumentes zusätzlich zum mechanischen Spieltisch, um die Stephanusorgel in die Orgelanlage zu integrieren und auch von den beiden Hauptspieltischen aus im Zusammenspiel mit den anderen beiden Orgelwerken im Raum erklingen zu lassen. Bereits heute, nur drei Jahre nach Integration der Hersbrucker Orgel in der Chorraum von St. Lorenz, sind die warmen, weichenPastellklangfarben des vorderen Orgelteils aus dem Kirchenraum nicht mehr wegzudenken.
So, wie die drei Orgelteile zu einem warmen weichen Gesamtraumklang heute zusammenwachsen, so sind bei diesem Orgelprojekt über die vergangenen Jahre alle Beteiligten zu einer Einheit verschmolzen. Wir haben die Zusammenarbeit stets als ausgesprochen fruchtbar und harmonisch empfunden und sind dankbar, an diesem grossen Projekt mitarbeiten zu dürfen.
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Orgelweihe - Orgelbuch

Laurentiusorgel und Stephanusorgel

Zentralspieltisch
Orgelweihe - Orgelbuch
Am Sonntag, den 26. Juni 2005 wurde in einem feierlichen, im Bayrischen Fernsehen live übertragenen Fernsehgottesdienst die Laurentiusorgel in der St. Lorenzkirche eingeweiht. Mit der Fertigstellung der Laurentiusorgel fand das dreiteilige Orgelprojekt in diesem Kirchenraum seinen Abschluss. In Anlehnung an die von Johannes Mehl konzipierte Orgelanlage aus dem Jahr 1937 wurde ein Gesamtkonzept erschaffen, welches die Hauptorgel im Westen, erbaut durch die Werkstatt Steinmeyer 1937, die Stephanusorgel im Ostchor (erbaut 1863 für eine Kirche in Hersbruck) und die reorganisierte, neu angelegte Laurentiusorgel innerhalb der vorhandenen Gehäusewangen zu einer großen Orgelanlage verbindet.
Das Gesamtprojekt wurde sehr eindrucksvoll in einem Orgelbuch dokumentiert, welches unter dem Titel "Soli Deo Gloria - die Orgeln von St. Lorenz" im Juni 2005, herausgegeben von Christian Schmidt und Georg Stolz, erschienen ist. Die 118 Seiten starke, reich bebilderte Schrift kann zum Preis von 19,80 € zzgl. Versandkosten bestellt werden beim
Verein zur Erhaltung der St. Lorenzkirche in Nürnberg e. V.
Lorenzer Platz 10
90402 Nürnberg
Tel.: 0911-244 699 0.
Folgende Aufsätze finden sich in dem Buch:
1.) Christian Schmidt: "St. Lorenz - ein edler Raum für edle Orgeln"
2.) Manfred Schwartz: "Das "Orgelprojekt St. Lorenz" und seine Beziehung zum Raumklangkonzept von 1937"
3.) Philipp C. A. Klais: "Eine dreiteilige Orgelanlage für die St. Lorenzkirche zu Nürnberg"
4.) Matthias Ank: "Das Hans-Sachs-Spielwerk"
5.) Matthias Ank: "Das Orgelpositiv"
6.) Werner Mohr: "Die Lorenzer Truhenorgel von 1998"
7.) Georg Stolz: "Die Lorenzer Orgeln als Bestandteil der Raumausstattung"
8.) Hermann Harrassowitz: "Zur Geschichte der Lorenzer Orgeln und ihrer Standorte"
9.) Werner Mohr: "Prof. Walther Körner, der Meister des Raumklangs und die Laurentiusorgel von 1962"
10.) Stefan Hilgendorf: "Die Dispositionsverzeichnisse"
11.) Roland Weiss: "Die ausführenden Orgelfirmen an den drei Orgeln der St. Lorenzkirche"
12.) Sixtus Lampel: "Die Steinmeyer-Laurentiusorgel aus St. Lorenz, Nürnberg, wieder aufgestellt im
Orgelmuseum Valley"
13.) Alexandra Fritsch: "Flankierende Maßnahmen bei der Erneuerung der Lorenzer Orgelanlage"
Ergänzend hierzu finden sich im Anhang folgende Dokumente:
1.) Fotodokumentation: Einbau der Stephanusorgel im April/Mai 2002
2.) Fotodokumentation: Einbau der Laurentiusorgel im Mai 2005
3.) Jürgen Eppelsheim: "Gutachterliche Äußerung über die Orgel in der Evang.-Luth. Stadtfarrkirche
zu Hersbruck"
4.) Werner Mohr: "Zur Geschichte der Stephanusorgel"
5.) Die Organisten von St. Lorenz
6.) Die Orgelbauer an St. Lorenz
7.) Mathias Ank: "Die Orgel: Funktionsweise und Geschichte"
8.) Matthias Ank: "Kleines Fachwortlexikon zu Orgelbau und -technik"
9.) An dem Lorenzer Orgelbuch "Soli Deo Gloria - Die Orgeln von St. Lorenz" beteiligte Autoren
10.) Bildnachweis
